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Einleitung
Vor vier Jahren hatten viele Marktexperten und Analysten die Firma Nintendo praktisch schon abgeschrieben. Dann brachte Nintendo die Wii im Dezember 2006 auf den Markt, der Rest ist Videospielgeschichte. Microsoft und Sony reagierten entsetzt auf den Erfolg der Wii, doch, wie es bei solchen Riesenkonzernen nun mal so ist, nur träge. Erst Ende 2010 schafften sie es ihre eigenen Bewegungssteuerungsysteme auf den Markt zu bringen.

Sony dachte sich offensichtlich, das kopieren besser ist als schlecht selbst gemacht und wer sich das "Move"-genannte System ansieht hat wohl das eine oder andere Deja vu-Erlebnis. Microsoft wagte auch keinen großen Sprung und setzte mit "Kinect" auf eine andere althergebrachte Technik.

Sonys Move

Sony kopierte mit Move recht frech die Wii Steuerung, doch statt der Sensorleiste wurde auf eine Eyetoy-Kamera gesetzt, was einige Vorteile aber auch arge Probleme mit sich bringt. Ein komplettes Move-Paket besteht aus einer Eyetoy-Kamera, dem Move-Motion-Controller (also einer Wiimote Kopie) und dem Move-Navigation-Controller (eine Kopie des Wii-Nunchuks). So wird das Paket aber nirgendwo verkauft. Das erhältliche Move-Starter-Paket beinhaltet nur die Kamera und den Motion Controller. Den Navigation-Controller kann man nur extra zu kaufen.

Der Motion-Controller reagiert in etwa so präzise wie die Wiimote mit Motion Plus. Die Kamera ermöglicht es zusätzlich die Position des Spielers vor dem Bildschirm zu erfassen. Es ist beeindruckend wenn man z.B. bei einem virtuellen Tischtennisspiel die Position vor dem Spieltisch ändern kann indem man sich vor dem Bildschirm bewegt. Das auffälligste am Move-Controller ist die Leuchtkugel an der sich die Kamera orientiert.

Hier beginnen auch schon die Schwierigkeiten des Systems. Diese leuchtende Kugel nervt, besonders wenn der Raum etwas dunkler ist. Es dürfen keine bunten Bilder oder andere farbige Objekte oder gar Lichtquellen im Blickfeld der Kamera sein, sonst hat diese Schwierigkeiten bei der Erfassung des Controllers. Zudem muss ein Mindestabstand von mindestens 2.5 Metern zum Fernseher eingehalten werden. Technisch bedingt hat Move ein deutlich merkbares "Lag", d.h. eine Verzögerung bei der Erfassung der Daten. Schließlich müssen der Datenstrom der Kamera und die Funksignale des Controllers erstmal von der Konsole verarbeitet werden, das ist in Realzeit leider nicht möglich. Zudem muss das System oft neu kalibriert werden, damit die Kamera die Leuchtkugel korrekt erkennt.

Microsofts Kinect

Microsoft kopiert auch. Aber nicht von Nintendo sondern von Sony. Mit dem Eyetoy hatte Sony einst schon für die Playstation 2 ein System für die Erkennung des Spielers vor dem Bildschirm entwickelt, doch war Eyetoy wegen der Ungenauigkeit der Technik nur für einfache Hampelspiele zu gebrauchen. Mit Kinect stellte Microsoft nun praktisch das Eyetoy 2 vor, das System funktioniert völlig ohne zusätzlichen Controller. Auch hier beeindruckt die Technik zunächst. Die Position des Spielers vor dem Bildschirm wird genauer erfasst als bei Move und durch eine Infrarottechnik soll das System auch in etwas dämmrigen Räumen funktionieren. Zusätzlich gibt es eine Spracherkennung.

Aber auch hier stellt sich schnell die Ernüchterung ein. Ebenso wie bei Move ist meistens eine deutlich spürbare Verzögerung bei der Erfassung der Bewegungen merkbar. Zudem benutzen viele der Spiele die Bewegung nur als "Knopfersatz", wie beim alten Wii Sports vor 4 Jahren hat es bei vielen Kinect-Spielen keine Auswirkung wie schnell oder präzise die Bewegung ausgeführt wird, nur das man die Hand dann oben hält wird vom System gewertet. Auch für Kinect benötigt man viel Platz vor dem Bildschirm, ein Mindestabstand von knapp zwei Metern muss eingehalten werden. Zudem kann das System zwar theoretisch mehrere Spieler gleichzeitig erfassen, aber praktisch hapert es dann oftmals an der Bewegungserkennung. Probleme gibt es auch wenn im Hintergrund Personen oder Haustiere durch das Bild tapsen oder die Lichtbedingungen nicht ideal sind. Zudem ist Kinect kein System für Schotten: Sobald der Spieler bzw. die Spielerin einen Rock trägt der die Beine ein wenig verdeckt funktioniert die Kalibrierung nicht. Auch Spieler mit ungewöhnlichen Körpermaßen die etwas stärker vom Durchschnitt abweichen haben Probleme mit Kinect und umgekehrt. Die Spracherkennnung funktioniert nur in englisch und, man kennt es vom PC, eher leidlich. Auch Kinect muss oft neu kalibriert werden.

Nintendos Wii Steuerung und Motion Plus

Als die Wii 2006 der Öffentlichkeit präsentiert wurde stellte sich bei so manchem Spieler bald Ernüchterung ein. Statt beim Tennispiel die genaue Armposition des Spielers zu erfassen diente die Bewegung oftmals nur als "Trigger" als Auslöseeffekt für eine vorher definierte Aktion. Mit Motion Plus stellte Nintendo Mitte 2009 eine Erweiterung der Wiimote vor die eine viel genauere Bewegungserkennung möglich machte. Das Steckmodul wird einfach unten an der Wiimote befestigt, leider profitieren nur speziell angepasste Spiele davon, aber dann ist das Ergebnis beeindruckend und arbeitet zudem praktisch verzögerungsfrei. Auch die Zeigersteuerung funktioniert präzise und verzögerungsfrei.

Die Schattenseiten sind klar: Es ist mit diesem System nicht möglich die Position des Spielers vor dem Fernseher zu bestimmen, nur der Abstand (nur wenn man die Wiimote auf den Fernseher richtet) und die Haltung/Drehung der Wiimote kann erfasst werden. Zudem muss auch Motion Plus immer mal wieder neu kalibriert werden. Noch vor Jahresende 2010 wird übrigens eine Wiimote erscheinen in der Motion Plus bereits eingebaut ist.

Erwähnenswert ist auch das Wii Balance-Board, eine Art Superwaage, die selbst kleinste Positionsveränderungen des darauf stehenden Spielers exakt erkennt und in vielen Fitness-, Party- und Sportspielen genutzt wird. Es gibt auch noch andere Zusatzsysteme für die Wii, diese stammen allerdings nicht von Nintendo, z.B. Beispiel liegt dem Fitness-Spiel Your Shape ebenfalls eine Kamera bei. Wobei übrigens auch hier die Erkennung eher leidlich klappt.

Fazit
Kinect und Move punkten mit der Erfassung des Spielers vor dem Bildschirm, was die Bewegungssteuerung in einigen Spielen auf ein neues Level heben könnte. Allerdings haben beide System deutlich merkbare Probleme die Bewegungen in Realzeit zu erfassen, reagieren deshalb oftmals nur mit Verzögerung. Beide Systeme brauchen viel Platz vor dem Fernseher. Die Wiimote mit Motion Plus kann die Position des Spielers nicht erfassen reagiert auf Bewegungen aber verzögerungsfrei. Ein grosses Plus der Wii ist die präzise Zeigersteuerung.

Ein weiterer Punkt ist die Spieleauswahl. Für die Wii gibt es schon sehr viele Spiele die die Bewegungssteuerung nutzen, da ist viel Müll dabei aber auch viele hervorragende Spiele. Für Kinect und Move gibt es nur wenig Spiele die auf die Bewegungsteuerung setzen und wie die Spielezukunft aussieht hängt stark davon ab wie gut sich diese neuen Systeme verkaufen. Zudem sind Kinect und Move eher für einfach Partyspiele geeignet. Kinect fehlt für anspruchsvollere Spiele eine präzise Steuerungsmöglichkeit. Die gibt es zwar bei Move, doch der Move-Navigation-Controller kann nur extra erworben werden und wird deshalb, das ist jetzt schon abzusehen, kaum in Spielen genutzt werden. Zudem fehlt beiden Systemen eine präzise und schnelle Zeigersteuerung die bei vielen der besten Wii Spiele genutzt wird.

Die durchschnittlichen Preis der Wii Spiele liegt bei etwa 40 Euro, zudem gibt es für die Wii schon sehr viele ältere "Bewegungsspiele" die mittlerweile sehr günstig zu haben sind. PS3 und Xbox360-Spiele kosten in etwa 60 Euro. Welches Preisniveau Move und Kinect-Spiele haben werden bleibt abzuwarten.

Wer schon eine Wii besitzt kann auf Move und Kinect also verzichten. Wer eine PS3 oder Xbox360 sein eigen nennt kann gegenüber einem kompletten Wii-Paket etwas sparen wenn er sich nur Move oder Kinect zulegen muss. Der Vorteil der Wii ist aber unübersehbar. Während die Zukunft von Move und Kinect ungewiss ist, gibt es für die Wii bereits eine große Auswahl guter Spiele aller Art zu vergleichsweise günstigen Preisen.

Hinweis: Dies ist eine leicht gekürzte Fassung meines Originalartikels.



Bewertung: ist ok

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